Presseecho Widerstand gegen Schulprojekt

Schulleiter befürchten bei einer neuen Gesamtschule mit Abitur-Möglichkeit im Norden des Kreises eine Gefährdung bestehender Oberschulen Von Jutta Abromeit

Ludwgisfelde. Das Ludwigsfelder Vorhaben, eine neue Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe (GOST) zum Schuljahr 2019/20 zu eröffnen, ruft Kritiker auf den Plan. Deren Hauptargument: Das gefährde vorhandene Oberschulen massiv.

Wie berichtet, gibt es zwei Petitionen für eine solche neue Schule: die von mehr als 800 Eltern in Ludwigsfelde an die Stadt, damit ihre Kinder fürs Abi nicht in Nachbarorte wie Potsdam, Berlin, Teltow oder Kleinmachnow zu weiterführenden Schulen fahren müssen, und an den Kreis die des Großbeerener Kreistagsmitglieds Dirk Steinhausen (CDU). Der fordert „endlich eine Oberschule mit gymnasialer Oberstufe für die Region“ und meint damit den Nordkreis. Der braucht wegen des Zuzugs mehr Nicht-Gymnasiumsplätze. Darin sind sich die Kommunen Großbeeren, Ludwigsfelde und Blankenfelde-Mahlow durchaus einig. Sie erwogen dafür sogar einen gemeinsamen Schulzweckverband. Doch wie mehrfach berichtet, geht es im Schulentwicklungsplan 2017/22 für den Kreis Teltow-Fläming auch darum und um entsprechende Änderungen. Doch die brauchen Zeit. In Ludwigsfelde sieht man eine schnelle Lösung: Seit dem Mauerfall waren wegen sinkender Kinderzahlen drei Schulen geschlossen worden; das Doppelgebäude an der Liebknechtstraße ist mit der Gottlieb-Daimler-Oberschule lediglich zur Hälfte belegt.

Trotz allem ist auch der Großbeerener Bürgermeister Carl Ahlgrimm (CDU) vom Ludwigsfelder Vorstoß überrascht: „Ja, wir brauchen diese zusätzliche Chance aufs Abi, und das ortsnah.“ Aber wer von den drei Orten diese Möglichkeit etabliert, das war bisher offen. Ahlgrimm will diplomatisch bleiben: „Wir kennen die Sogwirkung einer solchen Schule. Natürlich hat sie Auswirkungen auf umliegende Oberschulen wie unsere Preußler-Schule oder die Oberschulen in Dahlewitz und Ludwigsfelde.“

Manfred Janusch, Leiter des Oberstufenzentrums TF (OSZ), sagt: „Ich halte diese neue Schule nicht für richtig. Wir haben im Nordkreis TF eine intakte Schullandschaft mit ausreichendem Angebot bis in die gymnasiale Oberstufe.“ Damit meint er nicht nur das OSZ mit Fachoberstufe und dem Abi mit berufsbildendem Fach, um den Bedarf ansässiger und künftiger großer Firmen zu decken. „Kapazitäten sind für die nächsten Jahre auch mit dem derzeitigen Zuzug vorhanden. Zurzeit sind sowohl in Luckenwalde als auch in Ludwigsfelde jeweils wenigstens 20 Plätze pro Jahrgang frei. Und wir haben vom Landkreis keine Beschränkung für die Anzahl der Klassen pro Jahrgang“, sagt Janusch. Und erklärt: „Jeder Schüler, der das Abi machen will, hat einen Rechtsanspruch darauf.“ Auch Volker Große sieht Alternativen. Er leitet die Daimler-Oberschule und fragte jüngst zur Ausschusssitzung in Ludwigsfelde: „Wurden vor diesem Beschlussvorschlag alternative Schulkonzepte geprüft?“ Es gebe inzwischen intelligente und schülerorientierte Konzepte im Land, so Große. Er sieht die Oberschulen Trebbin, Großbeeren, Ludwigsfelde und Dabendorf gefährdet.

Dem Ludwigsfelder Bürgermeister Andreas Igel (SPD) werfen Kritiker vor, mit der neuen Schule Wähler-Klientel zu bedienen. Zuletzt hatten vorhandene und zu erwartende Kinderzahlen in der Stadt den Schul- und Sozialausschuss sowie den Hauptausschuss überzeugt, dem Verwaltungsvorschlag für eine Gesamtschule mit GOST zu folgen. Die Zustimmung des Stadtrats gilt als sicher, sonst wäre der Zeitplan in Gefahr. Igel erklärte, mit allen in der Region, ob Nachbarkommunen, Kreis oder Land, zusammenzuarbeiten. Allein sei das nicht zu machen. Und er sagte: „Das Schulgesetz gibt eine Schule an mehreren Standorten derzeit nicht her. Änderungen kommen in ein, zwei Jahren. Wir müssen jetzt handeln.“

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