Presseecho Sonderregel für Erzieher

Kinder von Personal aus anderen Orten sollen Großbeerener Kindergärten besuchen können

Von Jutta Abromeit
Großbeeren. Alle Hebel setzt die Gemeinde Großbeeren in Bewegung, um die gesetzliche Auflage zu erfüllen, jedes Kind unter drei Jahren zu betreuen, dessen Eltern es wünschen. Denn der Fachkräftemangel macht auch um den Zuzugsort mit seinen inzwischen knapp 9000 Einwohnern keinen Bogen. Der Gemeinderat beschloss am Donnerstagabend bei einer Stimmenthaltung eine Ausnahmeregelung, um auch in den kommenden Jahren genügend Betreuungspersonal zu bekommen. Der Hintergrund: Es darf kein Einstellungshindernis sein, dass arbeitswillige Pädagogen einen Job in Großbeeren nicht antreten können, weil sie ihr Kind nirgends betreuen lassen können.

Grundsätzlich sollen Kinder auch in Großbeeren in Einrichtungen gebracht werden, die der elterlichen Wohnung möglichst nah sind. Mit der neuen Regelung ist das Wohnortprinzip für die Aufnahme von Nicht-Großbeerener Kindern generell aufgehoben, wenn die Eltern Pädagogen sind, die als Erzieher in einer Großbeerener Einrichtung arbeiten wollen und die Kita ohne diese Fachkraft die nötigen Betreuungszeiten nicht gewährleisten kann. Daran hängt für die Gemeinde die Erfüllung ihrer gesetzlichen Pflicht.

Das sei zwar kein Reizthema, aber ein ausgesprochen schwieriges, sagte Bürgermeister Carl Ahlgrimm (CDU) zu dieser Diskussion. Denn im Härtefall könne die Gemeinde ja einen Platz, den ein ortsfremdes Kind belegt, keinem einheimischen mehr anbieten. Doch wenn ein Elternteil deshalb im Ort nicht arbeiten kann, würden viel mehr Plätze fehlen.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dirk Steinhausen wollte wissen, über wie viele Fälle diskutiert werde bei 30 bis 35 Erziehern im Ort. „Das können doch höchstens ein oder zwei sein“. Dem widersprach Bürgermeister Carl Ahlgrimm. Die Zahl solcher Fälle nähme zu, weil Leute zunehmend weit zu ihrer Arbeit fahren. „Allein aus Ludwigsfelde weiß ich, dass dort zurzeit 180 Kita-Plätze fehlen“, so Ahlgrimm. Mit dieser Ausnahmeregelung sieht man in Großbeeren die Chance, kitaplatz-suchende Erzieher anlocken zu können. Zu den zwei Bedingungen „kein wohnortnaher Kitaplatz vorhanden“ und „dringend nötige Fachkraft“ kam auf Antrag von Petra Brückner (SPD) eine dritte dazu: die Zusicherung der Heimatgemeinde, die Betreuungskosten zu übernehmen. Das verstehe sich eigentlich von selbst, so Ahlgrimm. Trotzdem wurde dieser Beschluss letztlich mit allen drei Bedingungen gefasst.

Auf Steinhausens Einwurf: „Schmeißen wir Kinder aus Großbeerener Kitas raus, wenn dessen Eltern wegziehen?“, erklärte Ahlgrimm: „Das Kindeswohl sollte immer Vorrang haben.“

Das Kindeswohl sollte immer Vorrang haben.

Anmerkung: Es ist gut, dass der Bürgermeister es nochmal klargestellt hat, dass wir die Kinder nicht aus der Kita schmeißen. Der kleine Fehler, dass ich kein Fraktionsvorsitzender mehr bin, wird sich sicherlich auch noch zur MAZ rumsprechen. 😊

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