Presseecho Ein langer „Spaziergang“ zur Schule

Landkreis Teltow-Fläming lenkt ein und zahlt drei Monatskarten für Leni Brumm – Schülerin demonstriert bei einer Begehung die Schwierigkeiten auf ihrem Schulweg Von Margrit Hahn

Luckenwalde.  Bei Sonnenschein und 10 Grad war der Schulweg am Donnerstagnachmittag weitaus angenehmer als morgens, wenn es kalt und dunkel ist. Diesen Weg, der knapp vier Kilometer lang ist, über eine steile, im Winter nicht gestreute Treppe und über eine Brücke führt, muss Schülerin Leni Brumm täglich zurücklegen, um vom Treuenbrietzener Tor zum anderen Ende der Stadt zur Jahn-Oberschule zu kommen.

Ihre Eltern hatten beim Landkreis einen Antrag auf Beförderung und Ausstellung einer Schülerjahreskarte gestellt. Dieser war aber zunächst abgelehnt worden. Mittlerweile hat der Kreis jedoch eingelenkt und einen neuen Bescheid erstellt, nach dem Leni die Monatskarten für den Bus, mit dem sie von Dezember bis Februar fuhr, erstattet bekommt. Laut Landrätin Kornelia Wehlan, sei das ein Einzelfall und wurde von der zuständigen Kreisverwaltung auch so behandelt. Für ein Busticket müssen Lenis Eltern 25 Euro im Monat aus eigener Tasche zahlen, weil der Schulweg 100 Meter zu kurz ist. Erst ab den vollen vier Kilometern besteht laut Schülerbeförderungsatzung eine Fahrkostenerstattung. „Im Winter ist diese Strecke nur mit dem Betreten auf eigene Gefahr hin möglich“, sagte die Landrätin in dieser Woche über Lenis Schulweg. Doch jetzt, wo die Sonne wieder öfter zu sehen und der Winter bald vorbei ist, muss Leni wohl wieder den Weg nutzen, der sie jeden Tag buchstäblich vor einige Hürden stellt.

Um diese aufzuzeigen, hatten ihre Eltern Heike und Erik Brumm alle 56 Kreistagsabgeordneten aus Teltow-Fläming eingeladen, um gemeinsam mit ihnen den knapp vier Kilometer langen Weg zu gehen. „Ich finde es traurig, dass von allen Kreistagsabgeordneten nur zwei gekommen sind“, sagt Heike Brumm. Sie hatte gehofft, dass sich Vertreter aller Parteien dieses Themas annehmen und auch Landrätin Kornelia Wehlan und der Amtsleiter für Bildung und Kultur Karsten Dornquast teilnehmen. Neben CDU-Kreistagsabgeordnetem Danny Eichelbaum und Dirk Steinhausen sowie Landtagskandidat Felix Menzel kamen gestern aber auch andere Eltern und Schüler aus der Luckenwalder Stadtrandsiedlung und Kolzenburg. Heike Brumm schlug den Weg vor, den der Landkreis der Schülerin vorgibt, weil er der kürzeste ist – 3,9 Kilometer. Dass dieser nicht der beste ist, erfuhren die Spaziergänger am eigenen Leib. Der Weg führt über eine steile Treppe zur Schwindsuchtsbrücke. „Wenn die Kinder den Schulweg mit dem Fahrrad zurücklegen, schaffen sie es nicht, das Rad alleine die Treppe hochzuhieven“, erklärte Heike Brumm.

Ein besserer Weg führt über den Kreisverkehr. Doch dieser wird vom Landkreis nicht favorisiert, weil die Entfernung dann über vier Kilometern liegen würde.
In der Anhaltstraße vermissten die „Schulwegläufer“ einen Gehweg und stellten fest, dass man als Radfahrer dort gefährlich unterwegs ist.

CDU, Linke, Bauernverband/FDP und Bündnis 90/Die Grünen haben an den Vorsitzenden des Kreistages einen Antrag auf Änderung der Schülerbeförderungssatzung gestellt. Zudem wird die Landrätin gebeten, dem Kreistag eine Machbarkeitsstudie vorzulegen.

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