Presseecho Angriffe sind Einzelfälle

Feuerwehr und Rettungsdienste erleben selten Gewalt bei den Einsätzen in der Region

Dahmeland-Fläming. Es gibt sie überall, die Pöbler, die Gaffer, die Schläger, die die Arbeit von Rettungskräften behindern. Erst am vergangenen Wochenende berichtete die Polizei über eine Unfallaufnahme in Königs Wusterhausen, bei der sich Verkehrsteilnehmer „uneinsichtig und rücksichtslos“ verhielten. Die Beamten mussten die Straße komplett sperren, um in Ruhe arbeiten zu können. Aus Lauchhammer ging wenige Tage später ein anderer Fall durch die regionalen Medien: Zwei Männer hatten mit Fäusten einen Rettungswagen bearbeitet und die Helfer bedroht, die gerade eine Frau behandelten.

Für den Großbeerener CDU-Politiker Dirk Steinhausen sind solche Meldungen alarmierend, ein Grund zur Sorge. „Nichts polarisiert in der Feuerwehr-Welt momentan so stark wie das Thema Gewalt gegen Rettungskräfte“, glaubt der Kreistagsabgeordnete. Steinhausen zitiert in einem ausführlichen Statement Studien aus Nordrhein-Westfalen, nach denen neun von zehn Einsatzkräfte im Rettungsdienst innerhalb der vergangenen zwölf Monate verbale und drei von vier Einsätzkräfte im Rettungsdienst körperliche Übergriffe im Einsatz abwehren mussten. Bei der Kreisverwaltung von Teltow-Fläming hat er auch offiziell Fallzahlen angefragt. Von der Antwort zeigt er sich aber enttäuscht. Solche Zahlen würden nicht erfasst, hieß es aus der Kreisverwaltung. Es gebe aber auch gar keine nennenswerten Vorfälle.

Tatsächlich bestätigen die Verantwortlichen auch auf MAZ-Nachfrage, dass in der Region Dahmeland-Fläming Störungen von außen bei Rettungseinsätzen eine Seltenheit sind. „Bei uns sind solche Fälle nicht bekannt“, sagt Teltow-Flämings Kreisbrandmeister Tino Gausche. Zu Jahresbeginn habe es zwar einen Fall in Dahme gegeben. Damals wurde die Feuerwehr bei einem Löscheinsatz von einem Nachbarn bepöbelt und beschimpft, der kein Wasser auf seinem Grundstück haben wollte. Die Einsatzkräfte äußerten sich damals schockiert über die unvermittelte Attacke. „Aber das war ein Einzelfall. Darüber hinaus gibt es höchstens mal kleinere verbale Auseinandersetzungen, mit denen man umgehen können muss“, so Gausche.

Denny Mielis, Geschäftsführer der Rettungsdienst Teltow-Fläming GmbH, glaubt, dass Dokumentationssysteme für physische und psychische Attacken, wie Steinhausen sie fordert, derzeit beim Rettungsdienst nicht nötig sind. „Wir haben ein Qualitätsmanagementsystem in jeder Wache, die Meldungen über Zwischenfälle erreichen uns so oder so – aber es gibt kaum welche.

Denny Mielis ist selbst zehn Jahre auf dem Rettungswagen gefahren. Während dieser Zeit habe er auch vereinzelt Auseinandersetzungen erlebt. „Aber wenn so etwas passiert, dann sind das Ausnahmen“, erzählt er. „Das Thema ist in der Öffentlichkeit präsent, aber wir können einen deutlichen Anstieg bestätigen. Möglicherweise, weil es im ländlichen Raum allgemein etwas ruhiger zugeht als in der Stadt“, so der Rettungsdienst-Chef.

Situationen, in denen es zu Konfrontationen kommt, seien in den allermeisten Fällen einsatzbedingt, so Mielis. „Da handelt es sich um Menschen, die aus einem Krankheitsbild heraus aggressiv werden. Das ist dann aber eher wie ein Symptom zu verstehen.

Bei der Polizei wertet man das ähnlich. Widerstand erleben die Beamten dort in der direkten Auseinandersetzung, etwa wenn Drogen im Spiel sind oder Täter sich gegen ihre Verhaftung wehren, sagt Ines Filohn, Sprecherin der Polizeidirektion Süd. „Es ist aber seltener, dass Unbeteiligte glauben, sich einmischen zu müssen. Als Polizist kann man solche Situationen auch relativ leicht mit einem Platzverweis regeln.“ Für Notfallsanitäter seien solche Vorfälle hingegen misslicher. „Die rufen dann uns zur Unterstützung“, so Filohn.

So entspannt das alles klingt: Dirk Steinhausen will es dabei nicht beruhen lassen. Er würde das Thema künftig gerne häufiger in den Ausschüssen des Landkreises diskutieren. Steinhausen: „Hier gilt es, die Feuerwehr- und Rettungskräfte zu sensibilisieren und gleichzeitig ihnen den Rücken zu stärken, dass dies eben nicht, wie häufig angenommen, Teil des Jobs ist.“ Um wirksame Maßnahmen zu entwickeln, sei eine Bestandsaufnahme notwendig.

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