Presseecho „Gestörtes Vertrauensverhältnis“

Großbeerener CDU schließt ihren langjährigen Frontmann Dirk Steinhausen aus der Fraktion aus

Großbeeren. Die CDU-Fraktion Großbeeren trennt sich überraschend von Dirk Steinhausen. Das beschlossen Fraktion und Vorstand des Gemeindeverbandes am Montagabend in Abwesenheit von Steinhausen.

Zu dem Beschluss gehöre, dass Steinhausen aus allen Großbeerener Ausschüssen abberufen ist, in denen er mitarbeitete, teilt CDU-Fraktionsvorsitzender Adrian Hepp mit. In der Presseerklärung heißt es weiter, Fraktion und Vorstand sähen keine Basis mehr für eine zukünftige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Steinhausen.

Ich wünsche ihm für seine politische Zukunft außerhalb der CDU-Fraktion Großbeeren alles Gute und viel Erfolg!“, so Hepp weiter. Hintergründe der Trennung werden nicht genannt. Auf MAZ-Nachfrage fügte Hepp lediglich hinzu: „Herr Steinhausen hatte Gelegenheit, sich mündlich vor der Fraktion zu äußern oder auch schriftlich, beides hat er nicht wahrgenommen.“ Zur Frage, warum die CDU im Ort ihren langjährigen Vorsitzenden vor die Tür setzt, erklärte Hepp nur: „Als Grund für das Ausscheiden aus der Fraktion kann ich – auch mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte von Dirk Steinhausen – nur ein nachhaltig gestörtes Vertrauensverhältnis benennen.

Auch CDU-Kreisvorsitzender Danny Eichelbaum ist in diesem Fall schmallippig. „Es handelt sich um eine interne Angelegenheit der CDU-Fraktion Grossbeeren, die ich öffentlich nicht bewerten werde“, sagt er, „mit den Beteiligten vor Ort werde ich jedoch das Gespräch suchen, um eine einvernehmliche Konfliktlösung zu erzielen.“

Steinhausen war lange Zeit selbst Ortsverbandsvorsitzender und Sprachrohr der CDU-Großbeeren auf allen Ebenen. Seit 2008 sitzt er in der Gemeindevertretung und seit 2012 ist er Kreistagsmitglied mit CDU-Mandat. Er sagt gegenüber der MAZ, er sei überrascht von diesem Beschluss. Nach seinen Worten erfuhr er etwa eine halbe Stunde vor Veröffentlichung der Pressemitteilung am Dienstagabend von der Trennung. „Ich kenne keinen Grund“, sagte er, „mehrfach hatte ich um Präzisierung des Sachverhalts gebeten, aber keine Antwort bekommen.“ Steinhausen ist jetzt fraktionsloser Gemeindevertreter.

Beobachter der Großbeerener Kommunalpolitik sehen in den Querelen innerhalb der CDU einen direkten Zusammenhang zur jüngst an die SPD verlorenen Bürgermeisterwahl. Carl Ahlgrimm (bis 2017 parteilos, dann CDU) war nach zwei Amtsperioden nicht mehr angetreten, sein Wunschkandidat und stellvertretende Bürgermeister Uwe Fischer (CDU) unterlag in der Stichwahl Ende Januar dem Potsdamer SPD-Mann Tobias Borstel.

Hinter vorgehaltener Hand heißt es, das Zerwürfnis in der CDU Großbeeren stamme aus dem Herbst. Damals ging es um den geeigneten Bürgermeister-Kandidaten aus den Reihen der Großbeerener Christdemokraten. Einer von drei Namen war Steinhausen. Der hatte, wie berichtet, aus privatem Grund seine politischen Ehrenämter eingeschränkt. Nun wird kolportiert, er wollte als Rathauschef kandidieren. Steinhausen bestreitet das.

Viel Zuspruch bekommt er unter anderem auf seiner Facebook-Seite. So schreibt Anja Schmollack, CDU-Chefin Treuenbrietzen: „Bleib wie du bist.“ Auch aus der SPD melden sich dort Stimmen der Solidarität.

 

und der Kommentar:

Erzfeinde und Parteifreunde
Von Hartmut F. Reck
Schiet Wetter sagt der norddeutsche Küstenbewohner zu den derzeitigen Witterungsumständen. Schiet Politik dürfte sich in dieser Woche Dirk Steinhausen gedacht haben. Da wird seine Schul-Petition vom Kreis-Bildungsausschuss in der Luft zerrissen und vorher setzt ihn noch der eigene CDU-Ortsverband vor die Tür. Ausgerechnet ihn, der seine Partei in diesem kleinen Großbeeren erst groß gemacht hat. Keiner nennt den Grund. Aber wie meinte schon CDU-Uraltkanzler Ludwig Erhard: „Was ist die Steigerung von Feind? Antwort: Erzfeind, Parteifreund!“

Ausgerechnet Steinhausen hatte zuvor schon für nächsten Montag zur Gründung eines Kreisverbands der Europa-Union eingeladen. Entweder wird ihm Großbeeren zu klein, oder die dortigen „Parteifreunde“ sehen darin tatsächlich eine Konkurrenzorganisation.

Bei diesen innerparteilichen Zwistigkeiten wird’s einem ganz kalt ums Herz. Richtig heiß wird es dagegen den Mitarbeitern im Ludwigsfelder Rathaus. Dort soll jetzt endlich eine Hitzeschutzeinrichtung vor der riesigen Glasfassade installiert werden, denn der nächste Sommer kommt bestimmt.

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