Bürgermeister schmeißt Schuldnerberatung raus

Die Schuldnerberatung Großbeeren hat sich weit über die Grenzen der Gemeinde einen guten Ruf erworben. Man hilft Menschen, die durch verschiedene Gründe in die Schuldenfalle gestürzt sind, und versucht mit ihnen einen Neustart.

Zwischen 2006 bis 2011 befand die staatlich anerkannte Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle sich in Trägerschaft der Gemeinde Großbeeren. Das änderte man 2011 und überführte die Schuldnerberatung in einen gemeinnützigen Verein. In den letzten Jahren nutze man die Räumlichkeiten in der Alten Molkerei der Gemeinde mit voller Unterstützung der Gemeindevertretung.

Im September kündigte der Bürgermeister zum Jahresende die Räumlichkeiten. Begründet wurde dies mit eigenem Raumbedarf und mit den fiktiven Mietkosten von mehreren Tausend Euro. Darüber hinaus sei „die Unterhaltung dieser Beratungsstelle keine pflichtige Aufgabe und bedarf keiner Weiterführung.“
Die Art und Weise der Kündigung aber auch der Umgang mit einem ehrenamtlichen Verein, der sich ja zumeist, um „nicht im Sonnenlicht stehende Menschen“ kümmert, weckt jetzt zunehmend auch politischen Widerstand.

Das ein SPD-Bürgermeister einem Verein kündigt, der wesentlich weniger kostet als einer unserer Sportvereine, das ist schon ein starkes Stück,“ so der Gemeindevertreter Dirk Steinhausen (WIR FÜR GROßBEEREN, WfG). „Der Bürgermeister Tobias Borstel (SPD) konnte doch noch nicht mal die Kosten korrekt beziffern, erst waren es 5.000,-, dann 8.000,- Euro, die es angeblich kostet. Auf Fragen der Kollegin Lamiss Bresemann (CDU/FDP) zu den vielen anderen Vereinen, die mit mehr unterstützt werden, hat er gar nicht geantwortet. Auch ist der Raumbedarf der Verwaltung bisher nicht wirklich nachgewiesen, weil wir zur Zeit mehr Mitarbeiter verlieren, als wir Neue einstellen,“ so Steinhausen weiter.

Erst auf politischem Druck wurde dem Verein in der gemeindeeigenen Wohnungsgesellschaft Ersatzräumlichkeiten angeboten. Da die Schuldnerberatung sich um Alternativstandorte auch in den Nachbarkommunen erkundigte, ist der Bürgermeister jetzt von diesem Vorschlag zurückgetreten. „Ein Trauerspiel, dadurch verliert die Gemeinde ein Angebot für die Hilfesuchenden in unserer Gesellschaft. Hier muss die Politik dem Bürgermeister deutlich Grenzen aufzeigen. Überschuldung zählt zu den sozialen und individuellen Grundrisiken des Lebens, gegen die niemand gefeit ist. Deshalb gehören die Dienstleistungen der Schuldnerberatung zu den Hilfsangeboten einer sozialen Gesellschaft, die für diejenigen Bürgerinnen und Bürger notwendig sind, die in Not geraten. Wir brauchen jetzt Lösungen um dieses Angebot in Großbeeren zu erhalten,“ so Steinhausen abschließend.

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